Ein Hasenfuß will hoch hinauf - Haidachstellwand, Klettersteig


Klettersteiggehen, am Stahlseil gesichert schwindelnde Höhen und ausgesetzte Felsen erklimmen. Klingt verdammt spannend, aber nicht wirklich gefährlich, dachte ich. Nur dass mir mein Hasenfuß-Gen mal wieder einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Mensch, warum muß es auch ausgerechnet an dem Tag, an dem Verena ihren ersten richtigen Klettersteig gehen will, Hochnebel haben? Und zwar gleich so, dass man vor lauter Nebel den Berg nicht findet.

Zusammen mit Freunden machen wir uns um halb acht auf den Weg zur Rofanseilbahn in Österreich. Das bedeutet für einen chronischen Langschläfer wie mich, qualvolles Aufstehen um 6.30 Uhr. Maaann, warum nur konnte ich mir nicht ein anderes Hobby aussuchen? Pokern zum Beispiel, klingt auch spannend und dazu muß man sehr warscheinlich frühestens bei Sonnenuntergang das Haus verlassen.

Strahlender Sonnenschein, grandioses Bergpanorama und traumhafte Landschaften entschädigen jeden Bergsteiger fürs Frühaufstehen. So steht es zumindest heuchlerisch in jedem zweiten Bergführer. Normalerweise mag das ja durchaus der Fall sein. Heute allerdings ist von Sonnenschein keine Spur, statt dessen haben wir Nieselregen bei erfrischenden 7°C. Das grandiose Bergpanorama versinkt im tiefen Hochnebel und die traumhaften Landschaften sind bestenfalls schemenhaft zu erahnen. Und ja, das auf dem Bild rechts neben mir ist wirklich Schnee...

Dem Nebel haben wir auch unsere nette extra Tour auf der Suche nach dem richtigen Berg zu verdanken. Die Sicht ist zu Beginn derart eingeschränkt, dass wir weder Schilder noch Wege wirklich erkennen können. Und so verpassen wir zu Beginn auch gleich die richtige Abzweigung und erreichen den gesuchten Klettersteig erst nach längerer Suche und ein paar extra Kilometern. Aber hey, beim Laufen wird einem wenigstens warm.

Da taucht sie endlich vor uns aus dem Nebel auf - die Haidachstellwand
Das wäre sie gewesen die richtige Abzweigung, am Ende haben wir sie doch noch gefunden.
Schon die Tatsache, dass sich mein Klettergurt nur noch bei extrem eingezogenem Bauch ordungsgemäß schließen lässt, hätte mir zu denken geben sollen. Meine letzte Klettertour ist dann doch schon lockere 12 Jahre her. Aber Klettern verlernt man nicht, oder vielleicht doch? Kurz vor dem ersten Überhang war mir dann auch ganz schnell klar, mein Unterbewußtsein findet Klettersteiggehen bei Nieselregen und Nebel gar und überhaupt nicht lustig. Und weil ich mir vor noch nicht allzu langer Zeit geschworen habe, zukünftig darauf zu hören was mir mein schreckhaftes Unterbewußtsein so mitzuteilen hat, haben ich und meine zittrigen Knie dann auch ganz schnell den Weg zurück Richtung sicherer Boden angetreten.

Die anderen hatten ihr Unterbewußtsein besser trainiert und liessen sich von schlechter Sicht, glitschigen Felsen und rutschigen Griffen nicht ins Bockshorn jagen. Respekt, denn einfacher wurde die Tour dank der widrigen Wetterverhältnisse sicher nicht. Während ich das Hasenfuß-Gen besitze, lieben manche Menschen eben den Nervenkitzel. Der Herr Fischer gehört hier wohl eher zur zweiten Spezies und kam mit vor Adrenalin glitzernden Augen, aufgeplatzen Blasen an beiden Händen und einem breiten Grinsen von der wilden Kletterpartie zurück. Da hat einer wohl sein neues Lieblingshobby gefunden.



In ca. zwei Stunden fährt man von München aus über die A8 Richtung Salzburg nach Maurach am Achensee (Österreich).
Mit der Rofanseilbahn geht es dann in nur fünf Minuten von der Talstation auf 980m zur Bergstation auf 1.840m. 
Berg- und Talfahrt € 17,50 (Erwachsene)
Die letzte Bahn ins Tal fährt um 17.00 Uhr.

Die Haidachstellwand ist der erste Gipfel rechts der Seilbahn und ca. 1 Stunde von der Seilbahn entfernt. Zunächst der Beschilderung zum Einstieg Rosskopf  folgend, kurz vor dem Rosskopf geht's dann an der Abzweigung rechts zur Haidachstellwand.  (Wenn man denn im Nebel die Abzweigung findet :-))


PS: Ach übrigens, mein Unterbewußtsein und ich gehen morgen für den nächsten Klettersteig trainieren, in die Halle, im Trockenen und hoffentlich ganz ohne Nebel.