Ausstellungstip - TASCHEN im Bayerischen Nationalmuseum


Gestern habe ich Besuch aus Berlin zum Anlass genommen um in meiner eigenen Stadt mal wieder ein wenig Tourist zu spielen. Und da der Besuch erstens weiblich und zweitens von Beruf Kostüm- und Bühnenbildnerin ist, war eigentlich ziemlich schnell klar, wo es uns hinziehen würde. Zeigt doch das Bayerischen Nationalmuseum noch bis zum 27.Oktober eine Sonderausstellung mit dem äußerst verheißungsvoll lautenten Titel TASCHEN. Und diese beschäftigt sich doch tatsächlich, man höre und staune, explizit und ausschließlich mit der europäischen Kulturgeschichte der Handtasche.

"Gezeigt werden unterschiedliche Taschen-Typen sowie Gemälde, Skulpturen und grafische Blätter, die den Zusammenhang von Trageweise und Funktion vermitteln. Vom Geldsack bis zur Kellybag wird die Vielfalt von Formen und Materialien dieses facettenreichen und zugleich funktionalen Accessoires vor Augen geführt– eine europäische Kulturgeschichte im Taschenformat."  

Was soll ich sagen. Nun bin ich wahrlich nicht ganz so Handtaschenverrückt wie manch anderes weibliches Wesen, aber das klang nach einer Ausstellung, die ich gesehen haben wollte. Also schnell den Berliner Besuch eingepackt und nichts wie hin.

Zu sehen sind etwa 300 Taschen aus dem 16. bis 21. Jahrhundert. Von frühen Geldbörsen und Jagdtaschen, über zahlreiche Handarbeitsbeutel und diverses Reisegepäck, bis hin zur modernen Damenhandtasche ist alles dabei was die europäsche Kulturgeschichte der Handtasche vom 16. bis 21. Jahrhundert geprägt hat.




Bei den alten Stücken besonders beeindruckend, mit welcher Detailverliebtheit und handarbeitlicher Ausdauer die reich verzierten Beutel und Täschchen angefertigt worden sind. So z.B. die in der Zeit ab 1800 in Mode kommenden Perlenbestrickten Handarbeitsbeutel und Pompadours. Als Pompadour bezeichnet man eine beutelartige Damenhandtasche mit Zugbändern, welche sowohl als Verschluss als auch als Henkel dienen. Diese kleinen Beutel diente seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert Damen der höheren Gesellschaft zur Aufbewahrung von kleinen Alltagsgegenständen, die man immer bei sich haben wollte, z.B. Taschentuch, Riechsalzfläschchen oder auch Handarbeitsutensilien wie Stick-, Strick- oder Häkelzeug. (Quelle: Wikipedia) Und weil Frau es ja immer ganz besonders hübsch haben wollte, konnte man einen Beutel ja nicht einfach Beutel sein lassen. Nein, nein, da wurden verschiedenste Handarbeitstechniken zur Verzierung dieses Beutelchens mit einer Detailverliebtheit und einem Aufwand zum Einsatz gebracht, da bleibt einem heute doch glatt die Spucke weg. So z.B. die Perlenstrickerei. Dabei wird nach einem aufwändigen Muster in jede gestrickte Masche eine winzigste Glasperle eingearbeitet. So klein und zart, da staunt sogar die Goldschmiedin.



Selbstverständlich auf keinen Fall fehlen in einer Ausstellung zum Thema Taschen darf natürlich die weltberühmte Kelly Bag. Diese seit 1935 in Handarbeit gefertigte Damenhandtasche der Luxus-Modemarke Hermès. Ein absoluter Klassiker des Modedesigns. Und seit 1956 nach der Schauspielerin und Fürstin von Monaco Grace Kelly benannt. Vom Design meines Erachtens zwar schön, aber doch eher unspektakulär, habe ich ziemlich erstaunt zur Kenntnis genommen, dass diese Tasche, je nach verarbeitetem Leder und Metall, zwischen 4.500 und 80.000 Dollar kostet. Man lieber Schwan, da muß eine Goldschmiedin ne ganze Weile für schmirgeln...



Doch wie immer. Natürlich geht es auch beim Thema Handtaschen höher, schneller, teurer. In der Ausstellung ebenfalls zu sehen: Eine vom Pariser Edeljuwelier Cartier als Einzelstück gefertigte Baguettetasche aus dem Besitz der großen deutschen Schauspielerin Marlene Dietrich. Dieses edle Stück aus Goldbrokat und Seidenatlas, besitzt einen Bügel aus vierzehnkarätigem Gelbgold und weil das noch nicht genug ist, ziert den Verschluß auch noch ein wunderschöner dunkelgrüner natürlich ebenfalls in Gold gefasster Turmalin. Das Muster mit den orientalisch gekleideten Polospielern ist zwar so gar nicht nach meinem Geschmack, aber aus Goldschmiedesicht ist ein Edelstein als Handtaschenverschluß durchaus eine Ansage. Aber damit noch nicht genug...



Lippenstift, Spiegel, Bürste, Notizbuch und noch einiges mehr, was Frau an einem Abend in der Oper unter Umständen schmerzlichst vermissen könnte. Alles von Größe und Design genauestens auf das quaderförmige Unterarmtäschchen abgestimmt. Und alles, jetzt kommt's, und zwar auch die Tasche selbst aus mit Brillanten besetztem Gelb- bzw. Weißgold. Gefertigt wurde das pompöse Ensemble zwischen 1950 und 1960 vom italienischen Nobeljuwelier Massoni. Und in der Münchner Oper das elitäre Näschen pudern, das tut damit die stolze Besitzerin, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Na ja, wer's mag...

Für mich persönlich, als bekennender Design- und Kunsthandwerkjunkie, hätten zwar neben den auf Grund ihres Preises herausstechenden Taschen, gerne noch ein paar mehr ausgefallene Designmodelle jüngeren Datums gezeigt werden können. Alles in allem aber eine interessante Ausstellung, in der man eine ganze Menge Wissenswertes über die Geschichte der Tasche erfahren kann. Der Besuch und ich hatten auf jeden Fall einen spannenden Nachmittag.

Bayerisches Nationalmuseum

noch bis zum 27. Oktober 2013 

Öffnungszeiten
Di. bis So.: 10:00 bis 17:00 Uhr
Do.: 10:00 bis 20:00 Uhr
Montags geschlossen

Eintrittspreise
Erwachsene € 7,-
Ermäßigt e 6,- 
Freier Eintritt für Mitglieder und Besucher bis zum vollendeten 18. Lebensjahr